Von Uli Thieme*

 

 

Hat die Wissenschaft unserer Erde einen Technologieschub dadurch erhalten, dass ein ausserirdisches Raumschiff im Jahre 1947 bei Roswell abstürzte? Diese Behauptung geistert seit Jahren durch die Gazetten der Ufologie. Allerdings immer als Gerücht, ohne dass auch nur ein einziger handfester Beweis dafür vorgelegt wurde. Weiteres Öl ins lodernde Gerüchtefeuer schüttete 1997 der damals schon pensionierte und inzwischen verstorbene Oberst Philip J. Corso mit seinem Buch (1). Darin behauptet Corso, dass er Einsicht in Unterlagen gehabt hätte, die die Trümmer einer im Jahre 1947 bei Roswell abgestürzten ausserirdischen Flugmaschine dokumentieren. Auch Corso behauptete, ohne dabei konkrete Beweise vorzulegen, dass gewisse irdische Technologien wie Laser, Nachtsichtgeräte, Halbleitertechnologie usw. ein Mitbringsel der Ausserirdischen gewesen sei. Amerikanische Erdlinge hätten sich diese dann angeeignet und einige US-Firmen hätten sogar Lizenzen für diese Alien-Technologie von der US-Regierung erhalten. [Corso erklärt leider nicht, auf welches ausserirdische Konto die Tantiemen für die Aliens überwiesen werden.] Das Buch von Corso enthält allerdings so viele gravierende Fehler - selbst einfachste Angaben stimmen darin nicht mit der Realität überein (2) - dass man davon ausgehen kann, dass diese Publikation nur ein Ziel hatte, nämlich dass der damals 82jährige seinen Kindern noch ein paar Dollars vererben wollte. So wurde der Buchautor auch quasi von seinem Sohn, Philip Corso Junior, gemanagt. Da kam es bei Interviews schon mal vor dass der Sohn seinem Vater durch eindeutige Handzeichen gestikulierte, dass er zu heiklen Fragen nicht antworten solle. (3) Und wenn es ums Geld ging, kannte Corso Junior sowieso keinen Spaß. Deshalb wurde im November 1997 vor dem Obersten Gericht in Los Angeles ein Verfahren im Namen von Produzent Neil Russel eingeleitet. Russel hatte bereits 1992 die Filmrechte für die Story von Corso`s Buch erworben. Deshalb klagte Neil Russel vor Gericht, dass jener Corso Junior nicht nur "eine viel zu hohe Geldsumme von ihm gefordert hat", sondern "ihn auch beleidigt und sein Leben bedroht hat" (4)

Doch nicht nur in den USA gab es Veröffentlichungen über einen angeblichen Alien-Techno-Transfer bei der sogenannten Stealth-Technologie (5). In zwei 1996 in Deutschland erschienenen UFO-Büchern konnte der erstaunte Leser zu diesem Thema folgendes entnehmen: "Übrigens sollen einige High-Tech-Entwicklungen auf die Auswertung dieser fremden Technologie zurückzuführen sein, die zum Beispiel beim sogenannten Tarnkappen- beziehungsweise Stealth-Bomber zum Tragen kamen." (6) Oder gar: "... denn die Russen hatten den - gewiss nicht unbegründeten - Verdacht, dass ein Grossteil der "Stealth-Technologie" des neuen Tarnkappenbombers der USA auf die Auswertung abgestürzter UFOs zurückging" (7) Aber auch hier trompeteten die beiden Autoren einfach eine Behauptung in die ufologisch interessierte Leserwelt, ohne auch nur einen einzigen Beweis für ihre unglaublichen Behauptungen vorzulegen. Dass die Herren wieder einmal weit über ihr begrenztes Fachwissen hinausschossen, und so erneut bewiesen, dass sie von manchen Themen wirklich keine Ahnung haben, soll nachfolgend verdeutlicht werden:

In der militärischen und zivilen Fachliteratur wird schon seit vielen Jahren über die Entwicklung von Stealth berichtet. Die darin veröffentlichten Informationen lassen den Werdegang dieser High-Tech-Entwicklung bestens nachvollziehen. Interessant ist auch, dass Ufologen die gerne über die Stealth-Technik lamentieren, sich offensichtlich nie gefragt haben, warum es eigentlich diese Stealth-Technologie gibt? Hätten sie sich diese scheinbar banale, jedoch letztendlich fundamentale Frage gestellt und nach ihrer Antwort recherchiert, dann hätten sie manchen Unfug nicht verbreitet.

Begonnen hat alles 1888 in Karlsruhe, als dort der deutsche Physiker Heinrich Hertz die zuvor von dem englischen Physiker James Clark Maxwell schon theoretisch errechneten elektronischen Wellen experimentell nachweisen konnte. Dies war die Geburtsstunde der "Funkentelegrafie", die später unter dem englischen Begriff Radar (Radio detection and ranging) populär werden sollte und heute aus der Luft- und Schiffahrt nicht mehr wegzudenken ist. Ebenfalls zwei Deutsche, Christian Hulsmeyer und Heinrich Mannheim waren es dann, die am 10. Mai 1904 auf der Kölner Rheinbrücke an vorbeischwimmenden Schiffen das erste Radargerät erfolgreich erprobten.

Auf der einen Seite war diese neue Technik ein Segen für die Luft- u. Schiffahrt. Andererseits aber war es für die Militärs ein Fluch. Mit Radar konnte man zwar die gegnerischen Flugzeuge oder Schiffe entdecken, aber der Feind natürlich auch die eigenen. Wiederum waren es deutsche Techniker, die damit begannen, die Radarrückstrahlfläche zu verringern, um so der Entdeckung durch Radarstrahlen zu entgehen. Zum einen versuchte man durch radarabsorbierende Materialien (RAM = Radar absorbent material) die Radarrückstrahlung zu unterbinden und damit unentdeckt zu bleiben. Unter dem Codenamen "Schornsteinfeger" wurde gegen Ende des II.Weltkriegs ein Material, eine Gummibeschichtung entwickelt. Mit diesem Material wurden die Schnorchel und Periskope deutscher U-Boote eingestrichen und beschichtet. Es gibt Berichte die besagen, dass diese erste "Stealth"-Technik funktioniert hat und die mit RAM beschichteten Periskope und damit auch die U-Boote von den feindlichen Radar-Luftaufklärer nicht entdeckt wurden.

Eine andere Art, den Radarstrahlen zu entkommen war, den Radarrücksteuerungsquerschnitt (RCS =Radar Cross Section) so klein als möglich zu halten. Abermals waren es deutsche Techniker, die Gebrüder Reimar und Walter Horten, die mehr durch Zufall eine bahnbrechende Entwicklung einleiten sollten. Ursprünglich wollten sie lediglich sogenannte "Nurflügel"-Flugzeuge entwickeln (wie parallel dazu auch Prof. Dr. Alexander Lippisch mit der Me 163), um dadurch die von dem Aerophysiker Prof. Busemann aufgestellten Berechnungen, dass pfeilförmige Flügel bei schallnahen Flügen ein Hinausschieben der Verdichtungsstöße bewirken, zu belegen. Ein "Nebeneffekt" dabei war, dass diese Flugzeugtypen einen sehr geringen  RCS aufwiesen. Mit den Bezeichnungen Ho I, Ho II ... bis Ho XVIII wurden etliche Muster entwickelt und teilweise gebaut. Der fortgeschrittenere Typ, die Ho IX wurde unter der Bezeichnung Go 229 gegen Kriegsende von der Gothaer Waggonfabrik in einer Stückzahl von lediglich 3 Exemplaren produziert. Die Go 229 bestand aus einem röhrenförmigen Stahlrahmen der mit einer in Sandwichbauweise beschichteten Holzhaut von 1,7 Zentimeter Dicke überzogen war, die aus zwei Sperrholzbrettern bestand, die wiederum mit einem Plastikmaterial imprägniert wurde. Hinzu kam noch eine speziell entwickelte RAM-Mixtur , ein Gemisch aus Kohle und Sägemehl das mit Leim gebunden wurde. Der mit zwei Jumo 004 Düsentriebwerken ausgestattete Prototyp Nr. 3 fiel den Amerikanern 1945 kurz vor Kriegsende unversehrt in die Hände. Er wurde umgehend in die USA gebracht und dort unter strengster Geheimhaltung geflogen und getestet. Die Go 229 war somit das erste "Stealth"-Flugzeug der Welt.

Basierend auf dieser Konstruktion wurden in den 40er und 50er Jahren in Kalifornien in der Nähe der Santa Susana Berge geheime Testflüge mit Fluggeräten der ungewöhnlichsten Formen durchgeführt. "Dies bewirkte, dass ein Sturm von wilden Geschichten entfachte, die von flachen, kreisförmigen Gegenständen erzählten, die Fliegende Untertassen genannt wurden. Damit war eine Legende geboren, die über kleine grüne Männchen, bis hin zu den Behauptungen von Sichtung und von Kontakten jeglicher Art führte." (8)

Ein weitere Meilenstein in der Entwicklung der Stealth-Flugzeuge war der mit dreifacher Schallgeschwindigkeit fliegende Höhenaufklärer Lockheed SR-71, sowie dessen Abkömmlinge, die A-12 und YF-12. Durch seine ungewöhnliche Form hatte der Flieger einen extrem niedrigen RCS. Die Oberfläche war mit einer RAM-Farbschicht aus einer bis heute noch geheimen Formel bestrichen. Bekannt ist lediglich, dass das in den Lockheed Skunk Works (9), Palmdale, California, von Chefchemiker Mel George entwickelte Material aus Eisenpartikel besteht, die in ein Epoxy-Harz eingegossen sind (10).

              

            

Stealth F-117
 
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Stealth F-117
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Ist ein Russe ein Ausserirdischer ?

Im Prinzip war die SR-71 allerdings nur eine konsequente Weiterentwicklung der deutschen Go 229. Zum entscheidenden Durchbruch bei der Stealth-Technologie kam es erst im April 1975. In jenen Tagen kam der damals 36-jährige Mathematiker und Radarspezialist Denys Overholser in das Büro von Ben R. Rich, Thermodynamiker bei den Skunk Works und späterer Präsident derselben und behauptete, "dass er ein Kampfflugzeug entwickeln könne, das die besten Luftabwehrgürtel der Welt unbeschädigt durchbrechen würde" (11). Overholser hatte in einem technischen Aufsatz eines russischen Radarspezialisten so etwas wie den "Stein von Rosette" (12) entdeckt. Der Autor des Artikels war Pyotr Ufimtsev, Chefwissenschaftler am Moskauer Institut für Radiotechnik. Ufimtsev zeigte in seinen Abhandlung auf, wie man Computersoftware erstellen konnte, die man zu einer exakten Errechnung der RCS von einer bestimmten Form brauchte, solange diese zweidimensional war. Mit dieser Software konnte man ein Flugzeug in Tausende flache, dreieckige Formen zerlegen, dann ihre einzelnen Radarsignaturen addieren, und bekam dadurch eine exakte Gesamtsumme der RCS. Der Grund, weshalb nur zwei Dimensionen berücksichtigt wurden, war technisch bedingt. 1975 waren die Rechenkapazitäten der Computer noch nicht gross genug, um damit die komplizierten Rechenvorgänge der 3. Dimension, oder die von Rundungen durchzuführen. Deshalb basierte alles auf flache, dreieckige Formen und deshalb wurde ein dreidimensionales Flugzeug aus einer Ansammlung von flachen, plattenförmigen Teilen entwickelt. Ein 3 Meter langes Holzmodell wurde gebaut und auf einem Radar-Testgelände nahe Palmdale, Kalifornien getestet. Das Resultat war revolutionär und so wurde der Erprobungsträger "Have blue" entwickelt. Am 1. 12. 1977 absolvierte Lockheed Testpilot Bill Park mit dem Prototyp, der HB 1001, den Erstflug auf dem streng geheimen Testgelände Groom Lake in Nevada. Am 4. Mai 1978 ging die HB 1001 nach ihrem 36 Flug bei einer zu harten Landung zu Bruch. Am 20. Juli 1978 startete der zweite Prototyp HB 1002 mit Pilot Oberst Norman Dyson, doch auch diese Maschine stürzte nach 52 Flügen im Juli 1979 ab. Danach wurden einige Formteile geändert und unter dem Codenamen "Senior Trend" wurden 15 Vorserien Flugzeuge gebaut, von denen die YF-117 A #1 im Jahre 1981 fertiggestellt wurde. Der erste Kampfeinsatz eines serienmäßigen Stealth-Kampfflugzeugs vom Typ F-117 A erfolgte am 21.12.1989 in Panama.

Vor allem der rasante Fortschritt in der Computer Hard- u. hauptsächlich in der Software ermöglichte bald dreidimensionale RCS Berechnungen und Flugzeugzellenkonstruktionen, so dass dies bei den nachfolgenden Entwicklungen, wie dem Testflugzeug "Tacit Blue" (Erstflug 5.2.1982), dem Stealth-Bomber B-2 der Firma Northrop (jetzt Boeing Defense & Space Group), oder den unbemannten Höhenaufklärern Tier II  (Teledyne Ryan) und Tier III (Lockheed Skunk Works) ihren sichtbaren Niederschlag fanden. So hat der B-2 Stealth Bomber den kleinsten RCS den je ein bemanntes Flugzeug hatte, nämlich 0,0014 m2. Der Erstflug der als "Air Vehicle 1" (AV-1) bezeichneten B-2 fand am 17. Juli 1989 auf der Edwards Luftwaffenbasis in Kalifornien statt. Und am 17.12.1993 wurde der erste Serien-B-2, die "Spirit of Missouri", auf dem Whiteman Luftwaffenstützpunkt, Missouri, offiziell der Airforce übergeben (13). Die einzige ufologisch relevante Tatsache bei diesem B-2 Stealth-Bomber ist die, dass die B-2 ausgerechnet der 509th Bomb Wing eingegliedert wurde. Also jener Atombomber Einheit, deren Pressesprecher Walter Haut damals im Juli 1947 in Roswell mit einer voreiligen Presseerklärung den Grundstein für den zwischenzeitlich weltweit bekanntesten "UFO-Absturz Mythos" legte.

Dass Stealth-Flugzeuge "unsichtbar" seien, wie gelegentlich behauptet wird, gehört ebenfalls in das Reich der Fabeln. Sowohl russische, als auch tschechische Ingenieure haben bereits Geräte entwickelt mit denen Flugzeuge mit geringer oder minimalster RCS "gesehen" werden können. Die Russen nennen ihr Abwehrgerät "Nitel" 55Zh6-1, die Tschechen "Tamara" MCS-93 (13).

Und so schließt sich nun der Kreis. Mit der Entdeckung des Radar wurde auch gleichzeitig die militärisch geforderte "List" (stealth) geboren, nämlich diesen Radarstrahlen wieder zu entkommen. Die angebliche "ausserirdische" Stealth-Technologie ist also rein irdischen Ursprungs. Dabei waren es Deutsche, Amerikaner und (unbewusst) ein Russe, die für die entscheidenden Durchbrüche verantwortlich waren und nicht etwa ein technisch unbegabter Neffe von Mr. Spock aus einer fernen Galaxis, dessen fluguntaugliches Gerät angeblich 1947 bei Roswell auf eine Schafweide krachte.

 


Seashadow
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Fußnoten:

 

*       Uli Thieme, Jahrgang 1951, Berufe: Diplom-Grafiker und Schriftlithograf, hat sich auf den sogenannten
         Roswell-Zwischfall spezialisiert und war 1993 und 1995 selbst vor Ort.
         Dieser überarbeitete Artikel erschien erstmals im "Journal für UFO Forschung"Heft 117 /1998

 

 

(1)     Col.(ret) Philip J. Corso The Day after Roswell; Birnes NY: Pocket Books, 1997. 416 Seiten, 24 US-$ Deutsche
Ausgabe: Der Tag nach Roswell, 1998, Goldmann Verlag, 20,- DM
Philip J. Corso starb am 18.7.1998.

(2)     Vier Beispiele von vielen: Corso behauptet, das Hauptquartier der 8. Armeeluftwaffe wäre 1947 in Fort Bliss, Texas
gewesen. Falsch: Es war in Fort Worth; Corso behauptet, dass die Flugabwehr-Rakete "Hawk" über einen
"Wärme-Suchkopf" gesteuert wurde. Falsch: Die Hawk wird über Radar gesteuert. Corso behauptet, dass die Firmen
Bell und Moterola 1947 begannen den Integrierten Schaltkreis-Chip zu entwickeln. Falsch: Die Firmen waren Texas
Instrument (Patent am 6.2.1959) und Fairchild (Patent am 30.7.1959); Corso behauptet, dass der Mikrowellenherd ein
Produkt der Ausserirdischen sei. Falsch: Die Fa. General Electric stellte einen Mikrowellenherd Prototyp bereits 1930
(17 Jahre vor Roswell !!) der Öffentlichkeit vor.

(3)     UFO-Magazine, Nov./Dez. 1997, hier: Interview M. Lindemann mit Corso, S. 15

(4)     Los Angeles Times vom 16. November 1997

(5)     Johannes von Buttlar, Die Ausserirdischen von Roswell, 1996, S. 167-168

(6)     Michael Hesemann, Jenseits von Roswell, 1996, S.8

(7)     stealth (englisch) = List; Schläue

(8)     "In Valleys of Shadow - The black world of stealth" Part 1 in Air International, October 1995; S. 148

(9)     "Skunk Work" geht zurück auf Irv Culver, einen Ingenieur bei Lockheed, der sich eines Tages am Telefon mit "Skonk
Works" meldete, einen Ausdruck aus einem populären US-Comic. Der Ausspruch gefiel so sehr, dass Lockheed daraus
"Skunk Works" machte und es als Warenzeichen schützen lies.

(10)    Ben R. Rich, Skunk Works, 1994, S. 215

(11)    Ben R. Rich, "Inside the Skunk Works" in Popular Science, October 1994, S.55
Ben R. Rich, Skunk Works, 1994, S. 19 - 21

(12)    Ein archäologischer Fund nahe der ägyptischen Stadt Rosette. In einer Steintafel war ein und der selbe Text in Griechisch,
Demotisch und in Hieroglyphen eingehauen. Dadurch gelang es dem Franzosen Jean-Francois Champollion die
ägyptischen Hieroglyphen zu entschlüsseln.

(13)    "Mini-Streitmacht für besondere Aufgaben", Flug Revue, Januar 1995, S.52-54

(14)    Jean`s Defence Weekly, 27.7. 1991, S.162  und International Defense Revue, 3/1994, S.39

 

 


Bücher zur Stealth-Technologie

 

Skunk Works, von Ben R. Rich & Leo Janos (Co-Autor)

Der Klassiker unter den Publikationen zur Stealth-Technologie ist zweifelsohne das bereits 1994 erschienene und in Zeitschriften viel zitierte Buch "Skunk Works". Der Autor dieses erstklassigen Buches ist kein geringerer als Ben R. Rich. Dieser begann seine Karriere im Dezember 1954 für 78 Dollar die Woche bei den Lockhheed Flugzeugwerken, Burbank, CA, USA als damals 29 jähriger Thermodynamiker. Zusammen mit dem legendären Konstrukteur Clarence "Kelly" Johnson war Ben R. Rich massgeblich an der Entwicklung amerikanischer Stealth-Flugzeuge beteiligt. Leider erlag er schon ein Jahr nach Veröffentlichung seines Buches am 5.1.1995 einem Krebsleiden. Das 372 Seiten dicke Buch ist eine Art Biographie von Rich in dem er in kurzweiligen und spannenden Abschnitten minutiös die Entwicklung der Stealth-Technik, die daraus resultierenden Flugzeuge wie die beiden Prototypen HAVE BLUE, das Serienmuster F-117, den Höhenaufklärer mit dreifacher Schallgeschwindigkeit SR-71 oder den Werdegang der U-2 beschreibt. Dabei werden die LeserInnen durch unzählig viele Details in die technologischen und politischen Hintergründe eingeweiht. So erfährt man z.B. wie überhaupt der Name von "Skunk Works" entstand (S.111); Dass der eigentliche Stealth Erfinder (unbewusster weise) der russische Radarspezialist Pyotr Ufimtsev ist (S.19); Dass sich der Stealth Ingenieur bei der Konkurrenzfirma Northrop (B-2 Bomber) John Cashon nennt (S.35); Dass das Spionageflugzeug U-2 (U=Utility) bei ihrem allerersten geheimen Flug über die damalige Sowjetunion am 4. Juli 1956 von Wiesbaden in Deutschland aus startete - dem Kanzler Adenauer damals geheim zustimmte (S.145); Oder dass "Aurora" der Codename für die B-2 Bomberentwicklung war und von einem Oberst im Pentagon namens Buz Carpenter kreiert wurde (S.309) [schönen Gruss an J.v. Buttlar] und, und, und.
Aller erste Sahne ist in diesem Buch auch die Idee, unter der immer wiederkehrenden Rubrik "Other Voices" (Andere Stimmen) sehr viele Zeitzeugen, also Firsthand Zeugen aus dem technologischen, militärischen und politischen Bereich zu Wort kommen zu lassen. So schildert z.B. der Testpilot des allerersten echten Stealth-Flugzeuges Bill Parks seine Erfahrungen mit der HAVE BLUE (S.57-61); Oder erinnert sich der US Air Force Chef von 1986-1990, General Larry D. Welch (S.41-42); Oder erzählt der Direktor des CIA von 1973 und Verteidigungsminister von 1973-1975, James R. Schlesinger die Hintergründe für die U-2 Spionagemissionen (S.188-190), und, und, und.
Mich hat selten ein Buch ob seiner enormen Informationsfülle so stark beeindruckt wie dieses Buch von Ben R. Rich. Deshalb ist es auch ein "Muss" für alle ufologisch oder technologisch interessierte Leute. Da das Buch in einem unkomplizierten Englisch geschrieben wurde, kann jede/r die/der der englischen Sprache mächtig ist Ben R. Rich Memoiren auch gut lesen.

372 S.; englisch; ill.; 1994; ISBN 0-316-74330-5 (hc=hardcover = gebunden)
Jetzt dürfte wohl nur noch das ISBN 0-316-743000-3 (pc = paperback = Taschenbuch) für 13,95 $ erhältlich sein.
Little, Brown & Company
Bosten, New York, Toronto, London

 

Lockheed Martin`s Skunk Works, The Official History ..., von Jay Miller

Der zweite Klassiker ist das 1993 in den USA und 1995 in England erschienene Din-A-4 grosse und 216 Seiten starke Buch von Jay Miller welches ein hervorragendes Nachschlagewerk über sämtliche Entwicklungen der Lockheed Martin Skunk Works darstellt. Dies beginnt beim ersten amerikanischen Düsenjäger, dem XP-59 und endet bei der unbemannten Stealth Drohne "Dark Star". Man kann bei diesem grossvormatigen Buch fast von einem Bildband sprechen, denn sämtliche Flugzeugtypen werden in unzähligen schwarz/weis und etlichen Farbfotos in bestechender Qualität abgebildet. So z.B. die sehr seltene farbige Aufnahme einer HAVE BLUE im Überflug, oder die super s/w Fotos der ehemals streng geheimen Aufklärungsdrohne D-21. Des weiteren werden sämtliche Testpiloten von Lockheed in Passfotogrösse abgebildet (S. 208-209). Jeder Flugzeug- oder Drohnentyp, auch die nicht verwirklichten Projektstudien werden in 3-Seiten-Zeichnungen dargestellt und alle textlich hervorragend und detailliert beschrieben. Als kleines Schmankerl, allerdings in sehr kleiner 6 Punkt Schriftgrösse, listet Autor Jay Miller im Anhang A - D (S.197-207) alle Prototypen- und Seriennummern der Flugzeuge auf und lichtet sämtliche Werksgelände via Luftaufnahmen ab. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil hier ein lückenloser Nachweis über alle gebauten Stealth Flugzeuge gegeben und so eine Recherche erleichtert wird. So kann ich auch dieses Buch als erstklassiges Nachschlagwerk zur Stealth-Technologie nur jeder/m empfehlen. 

216 S.; englisch; ill.; 1993; $ 29,95; ISBN 1-85780-037-0
Aerofax, Inc.
708 Viewside Circle
Arlington, TX 76011

oder:

Midland Publishing Ltd.
24 The Hollow, East Shilton
Leicester, LE97NA, England

 

America`s Stealth Fighters and Bombers, B-2, F-117. YF-22, and YF-23, von James C. Goodall

Wie dem Untertitel zu entnehmen ist, werden in diesem schon 1992 erschienen, grossformatigen Buch die genannten Stealth-Flugzeugtypen vorgestellt und beschrieben. Hier kann man tatsächlich von einem Bildband sprechen, da in diesem Buch die Fotos dominieren (sollen). Viele ganzseitige und z.T. doppelseitige Bilder, alle in Farbe und von erstklassiger Druckqualität. Der Text soll hierbei lediglich begleiten, wobei die Informationen trotzdem gründlich und nicht zu kurz sind und die LeserInnen somit einen fundierten Einblick in die Entwicklung dieser Stealth-Flugzeuge erhalten. Im Vergleich zum zuvor beschriebenen Buch von Jay Miller, hat hier der Autor James C. Goodall auch den von Northrop entwickelten Stealth-Bomber B-2 und deren Stealth-Jäger YF-23 beschrieben. Letzterer unterlag ja dann in der Endausscheidung der YF-22 von Lockheed und beide Flugzeuge werden mit erstklassigen Fotos und einem gutem Text während ihrer Entwicklung- und Testphase beschrieben. So sollte auch diese Buch in ihrer privaten, ufologisch relevanten Bibliothek nicht fehlen.

128 S.; englisch; ill.; 1992; $ 21,95; ISBN 0-87938-609-6
MBI Publishing Company
P.O. Box 1
729 Prospect Avenue
Osceola, WI 54020-0001
USA

 

© 2001 mit freundlicher Genehmigung von Uli Thieme;
Webgestaltung: by Torsten Migge (Webmaster of www.science-explorer.de), Text:  © 1998 by Uli Thieme.

 


Links zu anderen Seiten im WWW zum Thema Stealth:

F-22 Raport
F-117A Nighthawk
F-117A Nighthawk - Military Aircraft
Air Force Link - Official Web Site of the U. S. Air Force
Luftwaffe-Archiv - Die deutsche Luftwaffe im zweiten Weltkrieg

 

 

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